Entscheidend ist die Blickrichtung

Das kleine Nussschalenboot treibt ruhig dahin. Alles ist friedlich. Die Insassen unterhalten sich angeregt über die Erlebnisse des Tages. Es herrscht eine lockere Atmosphäre. Es wird langsam dunkel, aber das macht den erfahrenen Seeleuten nichts. Sie kennen sich auf dem See aus.

Doch plötzlich zieht Wind auf. Es beginnt kräftig zu regnen und der Wind wird immer heftiger. Er entwickelt sich regelrecht zum Sturm und wirft das kleine Boot hin und her. Die Besatzung fängt an wild Anweisungen durcheinander zu rufen, aber keiner versteht den anderen. Die Wellen sind inzwischen so hoch, dass sie über den Rand des kleinen Bootes schlagen. Panik macht sich breit auf dem Fischerboot. Werden sie da je wieder lebend rauskommen?

Und was ist das? Einer der Männer deutet außer sich vor Angst Richtung Ufer. „Hilfe, ein Gespenst!“, ruft ein anderer. Tatsächlich. Jetzt sehen es alle. Eine Gestalt kommt genau auf sie zu…

So in etwa stelle ich mir die Situation vor, als Jesus auf dem Wasser zu seinen Jüngern kommt. Sie hat meiner Ansicht nach so einiges mit unserer aktuellen Situation gemeinsam.
Noch vor ein paar Wochen war alles normal und ruhig (oder geschäftig und betriebsam wie Eh und Je), so wie zu Beginn des Boot-Trips. Doch dann kommt Wind auf. Corona taucht am Horizont auf. Es gibt erste Fälle in Europa und in Deutschland. Und ehe man sich versieht tobt ein Sturm aus Bestimmungen und Vorschriften, die einen normalen, ruhigen Alltag unmöglich machen. Genau wie die Jünger, haben viele jetzt Angst, Sorgen oder zumindest offene Fragen.

Und mitten hinein kommt Jesus.  Es ist gar nicht so einfach, ihn zu erkennen. Doch er begrüßt seine Freunde mit den Worten: „Ich bin es doch! Habt keine Angst!“ Damit macht er gleich klar, wer er ist und wer alles in der Hand hat.

Im weitern Verlauf der Geschichte verlangt Petrus als Bestätigung dafür, dass es wirklich Jesus ist, Jesus solle ihn auffordern auf dem Wasser zu ihm zu kommen. Jesus tut es und Petrus steigt mutig aus dem Boot. Als er aber die Wellen sieht, bekommt er wieder Angst und sinkt. Doch Jesus zieht ihn wieder aus dem Wasser.

Ich denke, was wir (mich eingeschlossen) davon lernen können, ist nicht, dass wir keine Angst haben dürfen. Denn Angst hatten die Jünger auch. Vielmehr kann ich mir den Blick von Perus auf Jesus abschauen – inmitten von Wellen und Sturm, oder eben inmitten von Homeoffice, Kontaktverbot und Langeweile. Schau auf Jesus! Und nicht auf die Wellen.
Vielleicht kann das in einer Gebetszeit (z.B. im Rahmen von 24/7 bit.ly/24-7prayer2020) sein, oder im Lobpreis bei sich zu Hause, oder wenn man einmal weniger die News checkt und sich stattdessen Gottes Versprechen vor Augen malt, oder…
Und falls es nicht gelingt, und die Wellen uns runterziehen, können wir uns daran festhalten, dass Jesus auch uns, jeden Einzelnen, wieder aus dem Wasser ziehen wird.

Eure Miriam

P.S. Nachzulesen ist die Story in Matthäus 14,22-33

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